12 Okt.
„Politik fragt Wirtschaft“ – 8. EnergyTalk der TGA-Verbände
Berlin, 12.10.2026 –Wie kann die Gebäudewende gelingen, wenn Klimaschutzziele, Wirtschaftlichkeit und die Realität des Bauens miteinander in Einklang gebracht werden müssen? Beim 8. EnergyTalk der Verbände der Technischen Gebäudeausrüstung (TGA) diskutierten Bundestagsabgeordnete und Vertreter der TGA-Branche über diese Frage. Das Gespräch am 7. Oktober 2026 in der Landesvertretung Hamburg in Berlin stand unter dem Motto „Zwischen Klimaschutzzielen und Realität: Wie gelingt die Gebäudewende bis 2045?“
Das bewährte Format des EnergyTalks blieb bestehen: Politiker befragen Experten aus der Wirtschaft. Die Bundestagsabgeordneten Wilhelm Gebhard (CDU), Helmut Kleebank (SPD) und Kassem Taher Saleh (Bündnis 90/Die Grünen) nutzten die Gelegenheit, ihre Fragen unmittelbar an die Vertreter der Branche zu richten. Als Fachleute der TGA-Verbände standen Christoph Brauneis, Beauftragter für Politik und Medien des VDKF, Frank Ernst, Geschäftsführer der TGA-Repräsentanz Berlin, und Jan Opländer, Präsident des BTGA, Rede und Antwort. Die Moderation übernahm Jakob Schlandt (Hamburg Institut).
Wilhelm Gebhard MdB interessierte sich insbesondere für die Bedeutung der Technischen Gebäudeausrüstung beim so genannten Gebäudetyp E. Angesichts des politischen Ziels, das Bauen schneller und bezahlbarer zu machen, wollte er wissen, auf welche Technik auch beim Gebäudetyp E keinesfalls verzichtet werden dürfe und welche Rolle beispielsweise Raumlufttechnische (RLT-)Anlagen mit Wärmerückgewinnung zukünftig spielen könnten. Frank Ernst verwies darauf, dass diese Anlagen durch einen Änderungsantrag der Koalition noch Eingang in das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) gefunden hätten. Damit sei eine langjährige Forderung der Branche umgesetzt worden. Beim Gebäudetyp E dürften nicht allein Brandschutz und Statik betrachtet werden. „Der Gebäudetyp E wird ohne Technik, die für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Menschen im Gebäude notwendig ist, scheitern“, erklärte Ernst. RLT-Anlagen mit Wärmerückgewinnung könnten im Gebäudetyp E eine entscheidende Rolle spielen, unter anderem auch beim Hitzeschutz. „In Nichtwohngebäuden ist die Wärmerückgewinnung schon selbstverständlich“, ergänzte Jan Opländer. „Jetzt müssen wir dafür sorgen, dass ihre Vorteile und Chancen auch im Wohngebäude wahrgenommen werden.“
Anschließend ging es um die Planungssicherheit für die Branche: Kassem Taher Saleh MdB fragte, ob die Unternehmen angesichts der Diskussionen um das GModG, anhängiger Klagen und der bereits für 2030 vorgesehenen Evaluierung des Gesetzes die notwendige Verlässlichkeit für ihre Planungen bekommen hätten „Die TGA-Verbände haben sich nachdrücklich für den Erhalt der 65-Prozent-Erneuerbare-Energien-Quote des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) eingesetzt“, stellte Christoph Brauneis fest. Diese Planungssicherheit sei mit dem GModG zwar nicht mehr gegeben, „wir haben aber ein Gesetz, mit dessen Vorgaben unsere Mitgliedsunternehmen umgehen, planen und arbeiten können.“ Unsicherheiten blieben allerdings mit Blick auf eine mögliche erfolgreiche Klage und auf eine zukünftige Bundesregierung, die möglicherweise das GModG erneut grundlegend verändern könnte, statt es weiterzuentwickeln.
Helmut Kleebank MdB griff das Thema Planungssicherheit auf und verwies darauf, dass mit dem noch ausstehenden Gesetz zur Grüngas-/Grünheizölquote weitere Regelungen folgen würden. Zugleich wollte er wissen, wie die Sanierungsquote im Gebäudebestand deutlich erhöht werden könne und ob hierfür angesichts knapper öffentlicher Kassen vor allem zusätzliche Regulatorik notwendig sei. „Die Regulatorik haben wir: das GModG und die europäische Gebäuderichtlinie 2024“, antwortete Jan Opländer. Entscheidend sei vielmehr, energetische Sanierungen für Investoren wirtschaftlich attraktiv zu machen. Modulare Lösungen und Vorfertigung könnten zur Wirtschaftlichkeit von Sanierungsmaßnahmen beitragen.
Zum Abschluss dankte Moderator Jakob Schlandt den Bundestagsabgeordneten für ihr Interesse und ihre zahlreichen Fragen. Die Vertreter der Branche erinnerte er zugleich an ihr während der Diskussion gegebenes Versprechen, die noch nicht beantworteten Fragen der Politiker im Nachgang vertieft zu beantworten. Der 8. EnergyTalk zeigte deutlich: Die Gebäudewende lässt sich nicht allein mit politischen Zielvorgaben bewältigen. Entscheidend sind verlässliche Rahmenbedingungen und Lösungen, die technisch funktionieren und wirtschaftlich umsetzbar sind. Der direkte Austausch zwischen Politik und Branche bleibt dafür unverzichtbar.

(Foto: Ina Schoof) Auf dem Podium (v.l.): Jakob Schlandt, Kassem Taher Saleh MdB, Christoph Brauneis, Helmut Kleebank MdB, Jan Opländer und Frank Ernst

(Foto: Ina Schoof) Wilhelm Gebhard MdB (r.) will von den Vertretern der TGA-Branche wissen, auf welche Technik auch beim Gebäudetyp E keinesfalls verzichtet werden darf.

(Foto: Ina Schoof) Helmut Kleebank MdB (3.v.r.) fragt, wie die Sanierungsquote im Gebäudebestand deutlich erhöht werden kann.
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