Thesenpapier: Grundkonsens – Energieeffiziente Gebäude: Schlüssel für Klimaschutz, soziale Stabilität und Versorgungssicherheit

Die unterzeichnenden Organisationen fordern die Bundesregierung eindringlich auf, bei den Verhandlungen zum Koalitionsvertrag die folgenden Aspekte für die politischen Entscheidungen im Gebäudebereich zu berücksichtigen.

1. Die Erreichung eines energieeffizienten, sozialverträglichen und klimaneutralen Gebäudebestands ist unverzichtbar

Das Ziel eines klimaneutralen Gebäudebestands muss ein unverzichtbarer Grundsatz in der politischen Agenda bleiben. Denn dies ist nicht nur essenziell für die Umsetzung europäischer Regeln, sowie nationaler und internationaler Klimaziele, wie alle relevanten Szenarien bestätigen. Auch der Erhalt des sozialen Friedens und unsere energie- und geopolitische Unabhängigkeit hängen davon ab. Um die auch wirtschaftlich erforderliche Transformation im Gebäudebereich erfolgreich, sozial und werterhaltend zu gestalten, sind klare und langfristig verlässliche politische Leitlinien, sowie wirtschaftlich tragfähige Maßnahmen erforderlich.

2. Vertrauen schaffen, Finanzierung sichern

Damit Investitionen getätigt werden, müssen Rahmenbedingungen langfristig verlässlich werden: Es braucht einen zuverlässigen Rechtsrahmen, schnelle Planungs- und Genehmigungsverfahren, sowie eine verlässliche und unbürokratische Förderung. So kann Vertrauen als Grundlage von Zukunftsinvestitionen in Gebäude zurückgewonnen werden.

3. Gebäudewerte erhalten und Zukunftsinvestitionen voranbringen

Immobilienbesitz ist für viele Menschen ein zentraler Baustein der Alterssicherung und Vermögensbildung. Für Unternehmen der Immobilienbranche stehen Gebäude im Zentrum ihres Geschäftsmodells – als Eigentümer oder als Anlageform. Stabile Immobilienwerte sind deshalb zentral sowohl für die Absicherung von Vermögen und Altersvorsorge als auch die Entwicklung der Bau- und Immobilienwirtschaft in Deutschland. Eine zukunftsfähige energetische Qualität ist Voraussetzung für Wertstabilität. Eigentumsübergänge durch Verkauf oder Vererbung sind wichtige Anlässe für Sanierungen, die zielgerichtet für Investitionen in die energetische Qualität genutzt werden sollten. Das Instrumentarium muss darauf ausgerichtet werden.

4. Soziale Gerechtigkeit sicherstellen

Eine gute Gebäudeeffizienz ist unverzichtbar für den sozialen Frieden. Einkommensschwache Haushalte wohnen häufig in energetisch schlechten Gebäuden, auch auf Grund der Investitionskosten für eine Sanierung. Hohe Energiekosten belasten diese Haushalte besonders hart, gerade wenn zukünftig die Brennstoffpreise schon auf Grund der CO2-Bepreisung weiter steigen – mit Folgen für die öffentliche Hand. Deshalb sollten die Anstrengungen darauf konzentriert werden, diese Gruppen von hohen Energiekosten dauerhaft zu entlasten. Hierbei spielt der geeignete Zugang zu Finanzierung und eine soziale Aussteuerung der Förderprogramme auf die energetisch schlechtesten Gebäude eine zentrale Rolle.

5. Transformationskosten senken, Unabhängigkeit und Inlandswertschöpfung stärken

Energieeffiziente Gebäude leisten einen entscheidenden Beitrag zur Unabhängigkeit von Energieimporten und damit zur äußeren Sicherheit. Zudem senken sie den Investitionsbedarf in den Ausbau und die Dekarbonisierung von Stromnetzen, Wärmenetzen, Erzeuger- und Speicherkapazitäten. Damit leisten sie wesentliche Beiträge zur langfristigen Begrenzung der Energiekosten und Netzentgelte. Auch die aktuelle, internationale handelspolitische Situation erfordert eine stärkere Inlandswertschöpfung, um wirtschaftliche Stabilität zu sichern. Investitionen in einen klimaneutralen Gebäudebestand durch hiesige Unternehmen bieten eine Chance, Rezessionsrisiken zu mindern. So kann eine gezielte Gebäudesanierungsstrategie wirtschaftliche und energiepolitische Ziele vereinen.

6. Durch Vorreiterrolle der öffentlichen Hand Handlungsfähigkeit zeigen

Mit der zielgerichteten Sanierung und Modernisierung von Schulen, Kindergärten oder Rathäusern beweist der Staat seine Handlungsfähigkeit. Viele öffentliche Gebäude sind nicht nur energetisch in einem schlechten Zustand. Mit verbindlichen Sanierungsfahrplänen und deren konsequenter Umsetzung erhöht der Staat seine Glaubwürdigkeit und die Akzeptanz klimapolitischer Ziele. Zudem werden notwendige Impulse für Bau, Industrie und Handwerk ausgelöst und die Kommunen langfristig von laufenden Betriebskosten entlastet.

Fazit und Appell

Energieeffizienz in Gebäuden ist eine unverzichtbare Riesenchance für Klimaschutz, Beschäftigung, heimische Wertschöpfung, wirtschaftliche Unabhängigkeit und bezahlbare Energie. Die hierfür notwendigen Technologien stehen zur Verfügung. Es kann sofort losgelegt werden. Die Politik ist aufgerufen, die Sanierung des Gebäudebestandes aktiv und zielgerichtet zu gestalten – im Interesse der Gesellschaft, der Wirtschaft, des Klimas und der nachfolgenden Generationen. Im Rahmen der Verhandlungen zum Sondervermögen Infrastruktur sollte ein signifikanter Anteil für Gebäudeinfrastrukturmaßnahmen gewidmet werden. Das würde auch mittelfristig finanzielle Planungssicherheit bieten.

Berlin, den 17.03.2025

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